
Am vergangenen Samstag ging es Brückenforum zu Bonn im wahrsten Sinne des Wortes fett, hässlich und asozial zu. Die Schelme luden zum 12. Geburtstag und zugleich zur einzigen Rockshow des Jahres ein. Natürlich will man so einen Tag nicht gern alleine verbringen, deswegen waren gleich noch 2 weitere Bands zur musikalischen Unterstützung dabei. Die „Arschlochkarte“ am heutigen Abend hatte „Dextro“ gezogen, ihm wurde die ehrenvolle Aufgabe auferlegt, durchs Programm zu führen.
Den Anfang machten „Spielbann“, deren Ziel es war, das Publikum auf eine Reise ins finstere Mittelalter zu schicken. Mittelalterliche Klänge trafen auf brachialen Gitarrensound und ergaben eine gefährliche Mischung, die einen sofort mitriss. Nach dem obligatorischen Intro, bot man mit „Anderswelt“ einen kleinen Einblick ins bevorstehende neue Album „Schwesterchen Frost“. Die nach und nach größer werdende Menge wurde zunächst mit „Spiel“ - „Bann“ Rufen mit ins Programm integriert, bevor man das digitale Zeitalter auf dieser all zu flachen Erdenscheibe ausrief. Ein kleiner Gag von Sänger „Seb“, um ein bisschen Eigenwerbung zu machen und neue Freunde auf Facebook zu finden. Weiter ging es mit „Die Reiter“, gefolgt von der musikalischen Erzählung der Geschichte vom Rattenfänger von Hameln („Lied zu Hameln“). Die düstere Exkursion nahm nun mit „Drama“ wieder Kurs in Richtung Gegenwart. Als Zugabe gratulierte man den Schelmen mit „Happy Birthday to you“ und verabschiedete sich.
Der zweite musikalische Support des heutigen Abends war ein alter Bekannter von der „Hässliche Kinder 2 Tour“ im vergangenen Jahr. Beim 11. Geburtstag leider verhindert, waren die Stuttgarter von „Remember Twilight“ aber dieses Mal mit von der Partie. Mit „Die Feder“ befanden wir uns plötzlich in einem relativ unbekannten Genre mit gewöhnungsbedürftiger instrumentalen Besetzung. Als „Kammer-Core“, dem Ein oder Anderen vielleicht durch die Band „Coppelius“ bekannt, bezeichnen sie dieses. Neben den „must have“ Instrumenten, wie Bass, Drums und Gitarren, komplettierten ein beschnittenes Streichquartett (Zwei Violinen/Violoncello) und eine Oboe das Ensemble. Auch ein neues Gesicht hatte sich unbemerkt mit auf die Bühne geschlichen und trommelte fröhlich vor sich hin. Der Neuzugang an den Drums hört auf den Namen „Sascha“ und stammt eigentlich aus der Death-Metal-Szene. Grund genug mit „Ich suche Gott“ einen etwas schnelleren Song zu spielen, damit der Gute sich wenigstens ein bisschen „heimischer“ fühlt. Allerdings leerte sich die Halle während der Show ein bisschen, denn viele fielen derweil über das Kuchen-Büffet der Schelme her oder befriedigten in der Kälte ihre Nikotinsucht.

Gegen 21 Uhr hieß es dann: Ab in die Halle, denn mit „Freigang“ viel der Startschuss der Geburtstagskinder. Stimmung von der ersten Sekunde an, so wie man es von einer Schelmish-Show mittlerweile gewöhnt sein sollte. Ebenfalls dazu gehört das unendliche Spektrum an Geschichten, die Dextro auf Lager hat. Es folgte die Geschichte vom „Stuhl“- Als Geschenk für ihren 18 jährigen Sohn, der großer Fan der Schelme ist, tätigte dessen Mutter vor einigen Monaten einen ungewöhnlichen Anruf. Sie wollte allen ernstes ein rundum-sorglos-Paket mit Schelmish bestellen, welches natürlich so seinen Preis hat, zumindest wenn es nach Dextro gegangen wäre. Doch Mutter und Sohn erschienen nicht einmal mit einer Kiste Bier zum Konzert. Das diabolische Grinsen von Dextro, während er dies erzählte, verriet, dass es mit Sicherheit nicht „sorglos“ von statten gehen sollte. Kommen wir aber zurück zum „Stuhl“. Dieser stand mittlerweile auf der Bühne und Sohn David „durfte“, aufs Publikum blickend, darauf Platz nehmen. Sicherlich denkt ihr jetzt – cool, von dort aus würde ich auch gerne mal ein Konzert miterleben – aber Dextro wäre nicht Dextro, wenn der Junge nicht noch diverse Aufgaben nebenbei zu erledigen gehabt hätte. Der persönliche Bieröffner war nur eine davon.
Danach lief alles wieder relativ normal ab. Man arbeitete sich mit „1212“ und „Mente Capti“ in der Setlist weiter voran, bevor man sich David's Mutter vorknöpfte. Auch diese durfte in den Genuss kommen, sich drei Lieder vom Stuhl aus anzuschauen – allerdings mit dem Gesicht zur Wand, denn Strafe muss ja bekanntlich sein. Aufgrund von technischen Problemen mit Dextro's Gitarrensender, die ihn schon die Ganze Show über begleiteten, zog man an dieser Stelle die heiß begehrte „Dudelsackmucke“ vor. Es ertönte „Odeno Oro“ und die Menge tanzte sofort mit und spätestens bei der Tag-und-Nacht-Gleiche, besser bekannt als das „Aequinoctium“, gab es dann definitiv kein Halten mehr. Der vor der Bühne praktizierte mini Moshpit war nur ein Resultat davon. An dieser Stelle endet sie dann, die Ära Schelmish, denn man gab die Auflösung der Band bekannt und wolle sich nun ganz der Karnevalsmusik widmen.......NICHT. Natürlich nur ein Scherz, aber die Darbietung des Räuber-Cover's „Denn wenn et Trömmelche jeht“, war höchst amüsant. Die Lied-Pausen zwischen den
nachfolgenden Stücken, nutzte man um die vielen neuen Gesichter auf der Bühne vorzustellen. Diese wären Alexis de la Vega am Bass, Philippus Gladius Longus und Onkel Tetzlaff an der Gitarre. Letzterer stellte sein Können beim nachfolgenden Solo unter beweis, welches vom Rest als kleine Verschnaufpause genutzt wurde. Auf der unendlich erscheinenden Setlist waren wir zwischenzeitlich bei den Zugaben angekommen. Für „Too late“ engagierte man die Engländerin „Jo“ zur gesanglichen Unterstützung. Ein bisschen Deutsch hatte man ihr auch beigebracht, worauf sie die Fans mit „Guten Abend“ und Dextro mit „Du bist ein Arschloch“ begrüßte - schelmischer Humor eben. Leider hat bekanntlich alles ein Ende, auch ein Schelmish-Konzert. Als letzten Song wählte man wie so oft das Johnny Cash-Cover „Ring of Fire“ , bei dem sich die Fans via Polonaise durch die Halle bewegten.

An dieser Stelle möchte ich den Schelmen dann ebenfalls zum Geburtstag gratulieren und mich für den grandiosen Abend bedanken. Ich freu mich schon auf 13 Jahre Schelmish im Bonner Brückenforum.
Setlist:
Die Offizielle Version, denn auf Grund von technischen Problemen wurden die mittelalter Stücke vorgezogen.
01. Freigang
02. Der Narr
03. Die Marionette
04. 1212
05. Mente Capti
06. Sag nur ein Wort
07. Wir werden sehen
08. ALAAF – Schelmish -Alarm
09. Hässliche Kinder
10. Letzter Kuss
11. Überladen
12. DRUM SOLO
13. Pank!
14. Twa Corbies
15. For the Clansman
16. Chaos
17. Aequinoctium / Herr Mannelig
18. Das Moor
19. Boulevard
20. Mehr Schein als Sein
21. Andersland
22. Sommer
Zugaben:
23. Tetz SOLO
24. Too Late – mit Gastsängerin Jo
25. Mosaik
26. 22 Jahre
27. Tanz mit mir
28. Ring of Fire